Collection Pinault Paris – ein Blick hinter die Kulissen

Die Sammlung Pinault hält Einzug in Paris - und zwar im Gebäude der Bourse de Commerce, das derzeit unter der Aufsicht des japanischen Architekten Tadao Ando komplett renoviert wird. Vor der geplanten offiziellen Eröffnung im Frühling 2020 präsentiert das zukünftige Museum schon jetzt mittels Fotografien der Baustelle, Skizzen und computergenerierten Bildern Einzelheiten des Großprojektes. Dieses Unterfangen, das Architektur, zeitgenössische Kunst und ein Baudenkmal vereint, ist mit Sicherheit das kulturelle Top-Event des Frühlings in Paris.

Das denkmalgeschützte Gebäude weckt unablässig die Neugierde der Pariser und Passanten, die durch das Viertel Les Halles im Zentrum von Paris spazieren. Seit nunmehr fast drei Jahren wird die Bourse de Commerce (dt. Handelsbörse) - versteckt hinter Planen und Gerüsten - renoviert. Der französische Geschäftsmann, Mäzen und begeisterte Sammler zeitgenössischer Kunst (er besitzt mehr als 5.000 Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert) François Pinault erweitert mit der Eröffnung dieses prestigeträchtigen Ortes sein Netzwerk permanenter Museen. Dieses Mal geht die Sammlung Pinault noch einen Schritt weiter: Das Ausstellungszentrum wird in Zusammenarbeit mit den anderen Museen der Sammlung Pinault - dem Palazzo Grassi, der Punta della Dogana und dem Teatrino in Venedig - einen zentralen Platz in der ursprünglichen Präsentationsgestaltung der Werke einnehmen.

Eine perfekte Kuppel

Für die Realisierung dieses neuen Projekts vertraut François Pinault wieder auf den Architekten Tadao Ando, der bereits für die Renovierung der venezianischen Gebäude seiner Sammlungen federzeichnend war. Herr Ando erklärt: „Ich habe zu Ehren der Geschichte der Stadt, die in der Bausubstanz der Bourse de la Commerce verewigt ist, einen neuen Raum geschaffen, der sich perfekt in den bestehenden einfügt, um dem gesamten Volumen, welches der zeitgenössischen Kunst gewidmet sein wird, neues Leben einzuhauchen. Architektur als Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Die Zeichnungen des Meisters zeigen, wie durch die Wiederbelebung der Kuppel die Werke der Sammlung Pinault in ihrem ganzen Glanz erstrahlen können.

Konstruktion des Zylinders

Die Umbauarbeiten am Gebäude der Bourse de Commerce wurden, angesichts der Projektgröße, in Rekordzeit durchgeführt. Obwohl die Schlüsselübergabe bereits im Januar 2017 erfolgt war, begannen die Renovierungsarbeiten am Gebäude erst ein Jahr später und werden im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein. Tadao Ando hat im Inneren des Gebäudes einen Zylinder entworfen, dessen Innen- als auch Außenwände auf einer Gesamtfläche von 3.000 m², unterteilt in Einzelflächen von 100 bis 600 m², Platz für Kunstwerke bieten. Auf diesen Einzelflächen sind kleinere thematische Hängungen sowie monografische Ausstellungen, aber auch neue Produktionen, Aufträge, sogenannte „Cartes Blanches“, bei denen dem Künstler freie Hand gelassen wird, und In-situ-Projekte geplant.

Metall und Glas

Die für die Bourse de Commerce charakteristische Glas- und Metallkuppel wurde 1986 zum historischen Denkmal erklärt. Das Gebäude hat jedoch schon davor die Aufmerksamkeit der Protektoren des Kulturerbes auf sich gezogen: Bereits 1862 wurde die Medici-Säule auf die Liste der denkmalgeschützten Bauten gesetzt - zeitgleich mit Notre-Dame de Paris und der Sainte-Chapelle - und 1975 das ganze Bauwerk. Während der Renovierungsarbeiten wird der Kuppel ganz besondere Beachtung geschenkt: „Das gusseiserne Gerüst der Kuppel wurde erhalten und ein neues Glasdach aus Glasprodukten geschaffen, deren Technologie die präventive Konservierung der bemalten Dekorationen und ausgestellten Werke erheblich verbessern wird", erklärt die Webseite der Sammlung Pinault. Abgesehen von der Kuppel umfasst das Renovierungsprojekt auch die Außenfassade und Innenwände, die Dächer und sogar die marouflierten Gemälde am Fuße der Kuppel – kurz gesagt: das ganze Baudenkmal.

Eine restaurierte Freske

Die Panoramafreske an der Innenwand der Kuppel zählt zu den Schmuckstücken der Bourse de Commerce. Alix Laveau und sein von der Direction des Musées de France bevollmächtigtes Restauratorinnenteam arbeiteten mehrere Monate lang auf Gerüsten in 20 Metern Höhe, um dieses historische Fresko aus dem 19. Jahrhundert, das mit einer Fläche von mehr als 1.400 m² 10 Meter hoch und 140 Meter lang ist, wiederherzustellen! Das denkmalgeschützte riesige Fresko wurde von fünf Künstlern gemalt und würdigt die Handelsbeziehungen zwischen den fünf Kontinenten. Dank eines Rundganges auf der Oberseite des vom Architekten Tadao Ando entworfenen Zylinders kann dieses „Panorama des Handels“ von den Besuchern (wieder)entdeckt werden.

Zwischen dem Louvre und Les Halles

Die Bourse de Commerce befindet sich am westlichen Ende des Stadtteils Les Halles, am Rande der Parkanlage Jardins des Halles und der Rue du Louvre, ganz in der Nähe der Seine-Kais. Nur wenige Gehminuten davon entfernt liegt der Louvre und 10 Minuten weiter das Centre Pompidou. Dank der tiefgreifenden Transformation des Gebäudes sowie der ausgestellten Werke bereichert die Ankunft der Sammlung Pinault das architektonische Erbe und die künstlerische und kulturelle Berufung dieses Stadtteils des 1. Arrondissements von Paris. Im Übrigen hat François Pinault die Pariser Designer Ronan und Erwan Bouroullecdie mit der Inneneinrichtung und Raumgestaltung des Museums betraut und die Leitung des Restaurants im obersten Stockwerk des Gebäudes an die Chefköche Michel und Sébastien Bras übertragen.

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Wegbeschreibung zur Collection Pinault - Bourse de Commerce in Paris 

Die Collection Pinault - Bourse de Commerce befindet sich in der Rue de Viarmes 2 im 1. Arrondissement von Paris, ganz in der Nähe des Louvre und der Parkanlage Jardins des Halles und 10 Gehminuten vom Centre Pompidou entfernt.