Pierre Bonnard im Bank Austria Kunstforum Wien

"Pierre Bonnard: Die Farbe der Erinnerung" im Bank Austria Kunstforum Wien

Im Herbst und Winter 2019/20 zeigt das Kunstforum vom 10. Oktober 2019 bis 12. Jänner 2020 die erste umfassende Retrospektive zum Werk Pierre Bonnards (1867-1947) in Österreich. Die Ausstellung konzentriert sich auf Bonnards reifes Werk, das nach seinem ersten Besuch an der Côte d’Azur, 1909, und der tiefgreifenden Erfahrung des Mittelmeerlichts einsetzt. Jetzt verändert sich die Palette Bonnards, der bis dahin vornehmlich in Paris und Mittelfrankreich lebte, und die starken leuchtenden Farben charakterisieren seine Gemälde bis in sein Spätwerk.

Bonnards vielfältiges und immer wieder neu zu entdeckendes Werk wird mit zahlreichen Leihgaben aus internationalen Museen, wie der Tate, London, dem Metropolitan Museum New York, der National Gallery in Washington, dem Musée d’Orsay in Paris oder der Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen, aber auch aus renommierten privaten Sammlungen präsentiert.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Farbe als zentrales Ausdrucks- und Gestaltungsmittel des Künstlers. Nicht nur Stimmungen, sondern auch Räume, ganze Kompositionen, entwickelt und modelliert Bonnard über Farbakkorde und -dissonanzen, über die Gegensätze und das Zusammenspiel warmer und kühlerer Töne. Das raffinierte Mit- und Gegeneinander der Farbwerte ist für Bonnard jedoch nur eines der Mittel, um die Harmonie der Natur in Frage zu stellen. Genauso subtil spielt er mit räumlichen Verunklärungen oder „Fehlern“ in der Personenführung – immer wieder sucht er, wie er es selbst formulierte, eine Überwindung der Natur durch die Kunst.

Der geheimnisvolle Künstler – kurz nach seinem Tod um die Mitte des 20. Jahrhunderts noch als Vertreter einer oberflächlichen Harmonie und „harmloser“ Chronist eines großbürgerlichen Alltags klassifiziert – hat die Gegenständlichkeit abseits der Entwicklung aller -ismen zu Beginn des Jahrhunderts nie in Frage gestellt hatte und seinen eigenen, letztlich der französischen Klassik verbundenen Stil der „anderen Moderne“ gepflegt. Bonnard inszenierte sich selbst immer wieder als Außenseiter, der sich von Künstlergruppen fernhielt und so auch vom Publikum gesehen wurde. Er soll hier neu und im Kontext seiner Zeit verstanden werden: Freundschaften mit Vuillard oder Matisse, die künstlerische Auseinandersetzung mit seinen Zeitgenossen und nicht zuletzt seine bis dato kaum reflektierten Reaktionen auf das politische Zeitgeschehen rücken Bonnard in einen aktuellen Zusammenhang und zeigen ihn als zeitgemäßen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Tate, London und der Ny Carlsberg Glyptothek, Kopenhagen.

Kuratorin: Evelyn Benesch mit Matthew Gale (Tate)

Mehr unter www.kunstforumwien.at (Externer Link)

Das Fenster / La Fenêtre, 1925, Öl auf Leinwand, 108,6 × 88,6 cm  Tate. Presented by Lord Ivor Spencer Churchill through the Contemporary Art Society 1930, N04494

Auch das Bonnard-Museum in der idyllischen Küstenortschaft Le Cannet beteiligte sich an der Zusammenstellung der Ausstellung sowie des Katalogs rund um „Pierre Bonnard, die Farbe der Erinnerung“.

Das Bonnard-Museum in Le Cannet

Wie so mancher seiner Zeitgenossen entdeckte Pierre Bonnard das mediterrane Licht zu Beginn des 20. Jahrhundert. Dieses ließ ihm von da an keine Ruhe und er begab sich auf die Suche nach einem Ort, den er immer wieder aufsuchen könnte, um die üppige Natur und die Farbenvielfalt der Cote d’Azur tiefgehender zu erkunden. Anfang der 20er Jahre entdeckte der Maler schließlich Le Cannet für sich, ein Dorf hoch über der Bucht von Cannes gelegen mit einem weiten Ausblick bis zu den roten Felsformationen des Esterel-Gebirges. Dort kaufte er eine Villa, Le Bosquet getauft, das er ab 1926 zu seinem Atelier umwandelte. Der Ort und das besondere Licht dienten ihm als unerschöpfliche Quelle der Inspiration – sein Haus, sein Garten und das Umland werden zu prägenden Sujets in einer Reihe von Bildern, welche für SpezialistInnen zu seinen wichtigsten Kunstwerken zählen. Aus dieser Phase stammen die weiblichen Akte in der Badewanne, die strahlenden Landschaftsbilder sowie die Einblicke in Wohnräume und Stillleben, die ein gewisses Eindringen in die Intimität ausstrahlen. Diese Malereien zeugten von einer neuen Vision, welche die Folgegenerationen stark beeinflussen werden würde.

Das Bonnard-Museum in Le Cannet ist weltweit das erste Museum, das sich diesem Schwergewicht in der Geschichte der modernen Kunst widmet. 2011 eröffnet legt das Museum in seiner Programmgestaltung Wert darauf, den 1947 verstorbenen Künstler und sein Werk an die Gegenwart anzuknüpfen.

Mehr unter www.museebonnard.fr (Externer Link)

Die Treppe im Garten des Künstlers / L’Escalier dans le jardin de l’artiste Öl auf Leinwand, 1942, 63 × 73 cm  National Gallery of Art, Washington, Alisa Mellon Bruce Collection, 1970. 17.11