Korsika: Wandern am Fernwanderweg GR 20

  • Trekking im Tal von Restonica

    Trekking im Tal von Restonica

    © Atout France - Robert Palomba

  • Col de Vergio

    Col de Vergio

    © Atout France - Jean Malburet

  • Brücke über die Schluchten von Manganellu

    Brücke über die Schluchten von Manganellu

    © Atout France - Fabrice Milochau

  • Trekking im Tal von Golo

    Trekking im Tal von Golo

    © Atout France - Hervé Le Gac - M.O. Raid Corsica Aventure

Korsika: Wandern am Fernwanderweg GR 20 Corse fr

Schon lang ist das Wandern auf dem 1972 eröffneten korsischen Fernwanderweg GR 20 nicht mehr nur des Korsen Lust. Fra li monti, durch die Berge, wie die Korsen den GR 20 gern zu nennen pflegen, zieht es auch immer mehr Wandergesellen aus aller Welt zu einem der anspruchsvollsten und zugleich spektakulärsten Fernwanderwege Europas. Von Calenzana im Norden bis nach Conca im Süden der Insel folgt man dabei auf rund 200 Kilometern dem Verlauf des Hauptgebirgskamms quer durch den korsischen Naturpark.

 

Ausgangspunkt der Wanderreise ist die Balagne, eine sanfte Hügellandschaft, welche dank ihrer zahlreichen Olivenhaine, Zitrusplantagen und Weinberge auch als Garten Korsikas bezeichnet wird. Vorbei am mit seinen 2.706 Metern höchsten korsischen Berg, dem Monte Cinto, begegnet man immer wieder der Macchia, einem überall im Mittelmeerraum verbreiteten, dichten Buschgewächs. Die einzigartige Flora dieser Gegend versprüht ein berauschendes Duft-Bouquet aus Thymian-, Wacholder-, Kiefer- und Lavendelaromen. Über den Col der Vergio-Pass erreicht man das angrenzende Niolo, ein im Wesentlichen von Hirten besiedeltes Hochtal, welches von Korsikas längstem Fluss, dem Golo, durchzogen ist. Seine Kletterkünste kann man am Cirque de la Solitude unter Beweis stellen – etwa 200 Meter geht es dabei fast senkrecht über Stock und Stein. Am Fuß des Monte Rotondo erstreckt sich die Region Venachese mit ihren urigen Kastanienwäldern sowie abenteuerlichen Viadukten wie dem Pont du Vecchio. Hat man bei Vizzavona den strapaziöseren Nordteil des GR 20 hinter sich gelassen, kann man sich der lukullischen Genusswelt Korsikas zum Beispiel mit einem Kastanienbier, der getrockneten Leberwurst figatellu, dem mit Orangenblüten aromatisierten Käsekuchen fiadone, Macchia-Honig sowie einem Myrtenlikör hingeben.

 

Kurz hinter dem Vizzavona-Pass führt der GR 20 an den Cascades des Anglais vorbei, einer Serie von traumhaften Wasserfällen und kristallklaren Badebecken. Hier bahnen sich eiskalte Bergbäche wie der Agnone ihren Weg durch scharf geschnittene Täler und stürzen sprudelnd Felswände hinab. Über waldreiche Berglandschaften wie dem Taravo-Hochtal umrahmt von der schroffen korsischen Bergwelt trifft man immer wieder auf von gelb-grünen Flechten bedeckte Granitfelsen und blendend weiße Schneefelder. Bevor sich der GR 20 seinem Ende zuneigt, quert man auf den letzten Etappen der Wanderung die von sattgrünen Wiesen geprägte Hochebene des Plateau du Coscione sowie im Anschluss an das Bavella-Massiv die Region Alta Rocca mit ihren pittoresken Dörfern aus grobem Granitgestein, die eine unvergleichliche Symbiose mit den Hängen des Monte Incudine eingehen. In Conca angekommen kann man bereits die salzige Meeresbrise spüren, die vom nahen Mittelmeer aufs Festland weht.

 

Praktische Informationen und Hinweise für eine korsische Wandertour auf dem GR 20

Der GR 20 ist aufgrund seines alpinen Charakters sowie der insgesamt 12.500 Höhenmeter, die es auf seiner gesamten Länge über Berg und Tal zu überwinden gilt, nur für erfahrene und konditionsstarke Wanderer zu empfehlen. Wer alle 16 Etappen bewältigen und luftige Höhen von 2.400 Metern erreichen möchte, sollte vor allen Dingen Trittsicherheit, Schwindelfreiheit sowie Orientierungssinn mitbringen. Wie bei allen Grandes Randonnées weisen dem Wanderer auch beim GR 20 weiß-rote Doppelstreifen und mitunter sogar kleine Steinmännchen den Weg. Ein- und Ausstiege sind hingegen mit einem gelben Balken markiert. Je nach Etappe muss man etwa 4 bis 8 Wanderstunden einkalkulieren, wobei für die Gesamtstrecke ungefähr 90 Wanderstunden bzw. 15 Tage eingeplant werden sollten. Für weniger geübte Wanderer empfiehlt sich vor allem der südliche Teil des GR 20 zwischen Vizzavona und Conca.

Als idealer Reisezeitraum gilt Mitte Juni bis Ende September, denn einerseits können Wanderer von schnee- und eisfreien Wegen profitieren und andererseits ist eine Versorgung der Hütten mit Lebensmitteln gewährleistet. Sowohl die offiziellen Refuges des Naturparks als auch privat betriebene Hütten und Hotels bieten in der Hauptsaison entweder Unterkünfte für 10 bis 45 € je nach Komfort oder Zeltplätze und Leihzelte bis 10 € pro Nacht, wobei eine vorherige Reservierung vor allem in den günstigen Refuges absolute Pflicht ist.

 

Vor jeder Wanderung sollte man sich unbedingt über die aktuelle Wetterlage informieren, denn nicht selten kommt es in Korsikas Bergen zu einem raschen Wetterumschwung mit Gewittern, Starkregen, Hagel und Sturm. Darüber hinaus ist auf eine ausreichende Versorgung mit Getränken und energiereichen Lebensmitteln zu achten. Wanderrucksäcke sollten dabei ein Füllvolumen von mindestens 55 Litern aufweisen und nach Befüllung maximal 14 bis 18 Kilogramm auf die Waage bringen.

Für eine detaillierte Tourenvorbereitung eignen sich sowohl die offizielle Homepage des Naturparks in französischer Sprache als auch die Webseite fernwege.de mit zahlreichen Informationen auf Deutsch. Empfehlenswerte und aktuelle Wanderführer für knapp 15 € sind der Outdoor-Guide Trans-Korsika: GR 20 sowie der Rother-Wanderführer Korsika – GR 20.

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