Wandern und Trekking in Frankreichs Überseegebieten

  • Leguan auf Martinique

    Leguan auf Martinique

    © ATOUT FRANCE/Patrice Thébault

  • Der Berg Morne Rouge auf Martinique

    Der Berg Morne Rouge auf Martinique

    © CMT/Luc Olivier www.martiniquetourisme.com

  • Insel Mayotte im Indischen Ozean

    Insel Mayotte im Indischen Ozean

    © Comité du Tourisme Mayotte

Wandern und Trekking in Frankreichs Überseegebieten

Weite Ebenen, tropische Wälder und faszinierende Vulkanlandschaften - die französischen Überseegebiete präsentieren sich als wahres Paradies für Wander- und Trekking-Fans. Rein ins feste Schuhwerk - und los geht die Entdeckungstour!

Wanderführer für die französischen Überseegebiete

Neben allerlei praktischen Informationen gibt die Fédération Française de la Randonnée Pédestre (Französischer Wanderverband: FFRP) kleine Führer, die sogenannten Topoguides, heraus, in denen Wander- und Trekkingtouren eingehend beschrieben sind. Besonders für Guadeloupe, La Réunion, Martinique und Mayotte finden Sie viele Vorschläge.

Insel La Réunion

Die Insel La Réunion mit ihren Vulkanen gilt als einer der „heißen Punkte“ unserer Erde - besonders deutlich erkennt man den vulkanischen Ursprung auch am spektakulären Relief der Insel. Die Insel bietet trotz ihrer eher geringen Größe von 70 km Länge und 50 km Breite ein faszinierendes Revier für Touren. Sehr sehenswert ist z.B. der erloschene Vulkan "Piton des Neiges", dessen Gipfel auf 3070 Metern manchmal sogar mit etwas Schnee oder Frost bedeckt ist. Der Piton des Neiges ist außerdem der höchste Punkt im gesamten Indischen Ozean. Er bildet sozusagen die „Achse“, um die sich die „Cirques“ (Talkessel) von Salazie, Cilaos und Mafate gruppieren, die jeder für sich ein einzigartiges Wanderrevier darstellen. Die Wege von Mafate bilden den einzigen Zugang zu den „Îlets“, sieben kleinen Dörfern, die malerisch eingebettet in die Berghänge liegen (insgesamt 800 Einwohner). Wanderer, die auf der Suche nach wahrer Abgeschiedenheit und Abenteuer sind, werden diese idyllische Lage sehr zu schätzen wissen. Überaus modern ist hingegen die Infrastruktur dieser Strecken mit ihren Unterkünften und Schutzhütten im authentischen kreolischen Stil.

Der Südteil der Insel lebt im Rhythmus der Launen eines aktiven Vulkans: des "Piton de la Fournaise" (2631 m). Die Wanderer queren seinen gigantischen Krater auf markierten Wegen, die sie an vielfarbigen Felsen und versteinerten Lavaströmen entlangführen. Vor ein paar Jahren wurden die Hochebenen als Nationalpark ausgewiesen - damit steht diese Bergregion unter Schutz. Spannende Kontraste zwischen felsiger Wüste, Zuckerrohr-Plantagen und dem regenreichsten Wald der Welt erwarten hier Naturfreunde. Eine weitere Route führt von den Panorama-Graten des Dimitile zu den dichten Wäldern von Bélouve und durchquert dabei die Plaine des Palmistes. Äußerst empfehlenswert sind auch Wanderungen an der Küste, ein Stück wilde Küste kann man Richtung Sainte-Rose an der Ostküste.

Ein angenehmer Umstand, der das Wandern und Trekking auf der Insel La Réunion (unter anderem) besonders beliebt macht, ist der geringe Zeitunterschied zu Europa - das Thema "Jetlag" entfällt hier also völlig. Vor Ort finden sich zahlreiche qualifizierte Anbieter, auch im französischen Mutterland bieten viele Veranstalter interessante Packages an. Am Ziel findet man pure Exotik, die sich umso angenehmer erleben lässt, da es hier keine für den Menschen gefährlichen Tiere gibt. Obwohl man zahlreichen Wandergruppen begegnet, findet man immer wieder Orte, an denen man ungestört diese paradiesische Landschaft genießen und ihre Schönheit ausgiebig bestaunen kann.

Alle Wanderwege sind im Topoguide der FFRP (mit den Hauptwanderwegen R1 und R2) beschrieben. Auf der Insel stehen zahlreiche diplomierte Führer und anderes Personal zur Verfügung. Eine begleiteter Rundgang von zwei Tagen kostet zwischen 60 und 180 € inklusive Übernachtung in einer Herberge. Aber man kann seine Wanderung auch unabhängig organisieren. Dabei helfen die Karten IGN 4401 bis 4406 RT im Maßstab 1:25 000.

Unabdingbar ist in jedem Fall eine Information über die Wetterbedingungen. Die Kapriolen des Wetters hier sind legendär.

Die Inseln von Guadeloupe

Der vor zwanzig Jahren gegründete Nationalpark von
Guadeloupe
umfasst Gebirgsregionen und Teile des Meeres zwischen Grande-Terre und Basse-Terre. Die Hänge des Vulkans La Soufrière, mit 1467m der höchste Berg der französischen Antillen, eignen sich hervorragend für Wandertouren. Die modernen, ausgewiesenen Wanderwege folgen hier den historischen „Traces“ (Trace des Vasques, Trace du Morne…), die zum Teil schon seit dem 18. Jahrhundert bestehen und früher hauptsächlich von Sklaven benutzt wurden. Insgesamt umfasst das Wegenetz rund 300 km. Von den Bergkämmen aus bieten sich atemberaubende Panoramen – sobald die Wolken den Blick freigeben. Denn selbst wenn unten am Strand die Sonne strahlt, trägt die sanfte Meeresbrise Feuchtigkeit in diese Höhenlagen. Genau diese Feuchtigkeit ist allerdings auch die Ursache für die üppige Tropenlandschaft mit 300 Pflanzenarten. Wilde Bergbäche durchziehen die Wälder von Guadeloupe und bilden spektakuläre Wasserfälle (Chute du Carbet, Pas du Roy, usw.).

Wanderungen auf dieser karibischen Insel (von den indianischen Ureinwohnern einst „Karukera“ genannt) bieten reichlich Höhepunkte. Für Übernachtungen stehen zahlreiche Unterkünfte zur Verfügung. Vor Ort kann man auf die Unterstützung kompetenter Partner zählen.

Martinique

Schon seit drei Jahrzehnten existiert der regionale Naturpark dieser karibischen „Insel über dem Wind“. Zu seinem Gebiet zählen die Flanken des Vulkans Montagne Pelée (1397 m) und andere „Mornes“ (Berge) mit rund 500 m Höhe zwischen Grand-Rivière und Sainte Anne. Mehr als 130 Kilometer markierter Wege schlängeln sich durch diese Landschaften mit ihrer intakten Natur. Dabei ist für Familienwanderungen im gemütlichen Rahmen ebenso gesorgt wie für Outdoor-Freaks, die auf der Suche nach einer sportlichen Herausforderung sind, wie beispielsweise dem Aufstieg zum Vulkan. Aber auch eine Wanderung auf dem Jesuiten-Pfad oder dem Waldwanderweg Grand Rivière/Prêcheur mitten durch den Urwald von Martinique ist ein Erlebnis.

Französisch-Polynesien

Wer an Tahiti denkt, der denkt zunächst eher an traumhafte Bilderbuchstrände und Lagunen mit hohem Postkarten-Potenzial, Tauchen und Schnorcheln oder auch Segeltörns... Aber auch dieses eher maritime Paradies verfügt durchaus über attraktive Gebirgslandschaften. Die vulkanischen Inseln Moorea, Raietea oder Tahiti, mit ihren schroffen, von Tropenwäldern bedeckten Bergketten, sind hier nur ein paar Beispiele. Nicht weit von Papeete entfernt wartet etwa der Mont Aorai (2066 m) auf Tourengänger. Trekking-Erfahrung sollte man hier auf jeden Fall schon mitbringen, immerhin dauert die Tour ganze 5 Stunden und auf manchen nassen Felsen besteht Rutschgefahr. Die Regenzeit von Dezember bis Februar sollte man daher besser meiden.

Hier noch ein paar weitere Tourenvorschläge: die Wasserfälle von Afareaitu auf Moorea, Mont Tapioi auf Raietea… Wer es noch ursprünglicher mag, der begibt sich auf die Marquisen-Inseln - weit entfernt vom Zentrum des Archipels. In Polynesien bietet sich zudem die Gelegenheit zu Reittouren und zum Canyoning.

Neukaledonien

Grande Terre „treibt“ seit rund 250 Millionen Jahren im Pazifik. Anders als die meisten anderen Inseln ist sie nicht vulkanischen Ursprungs. Die Insel der Kanaken (ein melanesisches Volk) misst etwa 400 km Länge. Dort finden sich unterschiedlichste Landschaftsformen: die Trockensavanne an der Nordwestküste, genannt „Savane à Niaoulis“ oder die „Brousse“, die an den wilden Westen der USA erinnert.

In der Umgebung von Borail bevölkern zahlreiche Rinderherden mit ihren Hütern zu Pferd die Szenerie. Hier können Pferdefreunde auf 10 Ranches Ausritte unternehmen, auf Wunsch auch in Begleitung der „Stockmen“ (wie die "Cowboys" hier genannt werden).

Im Norden von Koné existiert bis heute ein Primärwald. Betrachtet man diesen aus der Vogelperspektive, erkennt man das berühmte „Herz von Voh“, dessen symbolische Form einen durchaus natürlichen Ursprung hat. Das Foto des französischen Fotografen Yann Arthus-Bertrand, der die herzförmige Formation im Wald als Erster ablichtete, ging damals rund um die Welt. Kleine Wanderungen bieten immer wieder unvergessliche Erlebnisse. In ihren Dörfern begegnet man den melanesischen Clans. Wer möchte, kann bei manchen Einwohnern übernachten und mit ihnen Orte kennenlernen, die man sonst niemals entdeckt hätte.

Auch im Süden, rund um Nouméa, ist die Natur unversehrt erhalten geblieben. Der Fernwanderweg GR 1 verspricht einen wundervollen Parcours auf den Kammlinien hoch über Tälern mit ihren Seen. In der Ferne leuchtet dabei stets das Blau des Ozeans.

Französisch-Guyana

Ein Nationalpark und ein regionaler Naturpark bedecken eine große Fläche von Französisch-Guyana und stellen diese unter Schutz. Insgesamt umfassen sie 3,4 Millionen ha - das entspricht etwa viermal der Fläche von Korsika! Die natürliche Grenze zu Surinam im Westen bildet der Fluss Maroni. Im Südosten trennt der Oyapock Guyana von Brasilien. Dieses Dschungelgebiet umfasst durchaus hügeliges Relief (Plateau des Guyabes), in denen etwa die Quellen des Sinnamary und schöne Wasserfälle zu finden sind.

Touren beginnen häufig im Norden in Saint-Laurent du Maroni oder im Südosten in Régina. Am Etappenziel isst und schläft man im „Carbet“, einem Dach aus Palmzweigen, das als Hütte fungiert. Geschlafen wird in der Hängematte. Nachts erwacht der Dschungel mit unendlich vielen geheimnisvollen Geräuschen zum Leben. Im Herzen dieses Urwaldes liegen die Kaw-Sümpfe, die man unbedingt gesehen haben sollte. Farbenfrohe exotische Vögel teilen sich ihre Welt mit den Kaimanen. Wandertouren verbindet man hier gern mit Fahrten auf Pirogen, denn die Flüsse sind und bleiben die besten Transportwege.