Sportliches Vergnügen im Schnee: Sicherheit geht vor!

  • © ATOUT FRANCE/Jean François Tripelon-Jarry

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Sportliches Vergnügen im Schnee: Sicherheit geht vor!

Im Schnee sportlich toben ist ein wahres Vergnügen... dabei darf die Sicherheit jedoch nicht zu kurz kommen! Sich informieren und Sicherheitsregeln beachten sind zwei gute Methoden, um sicher Wintersport in den Bergen auszuüben...

Autor: Philippe Bardiau

Aktiver Urlaub im Schnee erfordert einige Maßnahmen der Rücksicht und der Vorsicht, sowohl auf der Pisten als auch abseits, mit Ski, Snowboard, Schneeschuhen, Rodelschlitten...

Jedes dritte Lawinenopfer in den französischen Massiven kommt aus dem Ausland, Kollisionen auf markierten Pisten haben großen Anteil bei Unfällen im Schnee. Es ist wichtig, vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen außerhalb der Piste richtig zu verstehen (in Europa leider nicht immer uniform) und auf markierten Pisten Gemeinschaftssinn zu bewahren.

Hier ein kleiner Leitfaden zur Sicherheit auf Pisten...

Vielfältliger Aufgabenbereich der Pistenwärter und Pistensanitäter

Die französischen Skigebiete werden von 2.000, (entsprechend ausgebildeten und erprobten ) Pistenwärtern und Pistensanitätern überwacht. Sie markieren die Piste und intervenieren im Falle eines Unfalls. Sie sind nicht nur als "Krankenträger auf Skiern" ausgebildet: sie steuern die Pistenraupen (das Glätten der Pisten erhöht den "Komfort" für Skineulinge), arbeiten als Feuerwerker (vorbeugende Auslösung der Lawinen durch "Sprengung" ), Hundeführer (für die Suche nach im Schnee verschütteten Personen - trotz aller Vorsichtsmaßnahmen können sich Lawinenunglücke ereignen!), Meteorologe (mit präziser Kenntnis der Konsistenz des Schneemantels), etc...

Einstufung der markierten Pisten

Grün: sehr leichte und wenig abschüssige Piste für angehende Skiläufer
Blau: ziemlich leichte Piste für durchschnittlichen Skiläufer

Rot: steilere Piste, weniger glatt, für geübte Skiläufer
Schwarz: sehr steile, oft vereiste Piste für sehr geübte Skiläufer.

Selbstständig (ohne Betreuung eines qualifizierten Skilehrers) und ungeübt auf einer schwierigen Piste zu versuchen, Fortschritte zu machen, ist keine gute Idee! Immer vorausschauend und vorsichtig skilaufen, ohne sich beispielsweise von Freunden zur Sorglosigkeit überreden zu lassen!

Abseits der Piste

Die Skala für Lawinengefahr ist in Europa einheitlich und evaluiert den Instabilitätsgrad der Schneedecke abseits der Piste.

Zwei Warnsysteme informieren über eventuelle Lawinengefahr:

a) eine Gefahrenskala 1-5:
1 (gering)
Eine Lawinenauslösung ist nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Spontan sind keine Lawinen (sog. Rutsche) zu erwarten.
2 (mäßig)
Eine Lawinenauslösung ist bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Größere Lawinen sind nicht zu erwarten.
3 (erheblich)
Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich.
4 (groß)
Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen möglich.
Hier wird für Wintersportler empfohlen, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen.
5 (sehr groß)
Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Bei dieser Warnstufe ist in Skigebieten  kein sicherer Betrieb mehr möglich.

b) 3 verschiedenfarbige Fahnen (gleiches System wie an den Stränden aber mit anderen Farben)

       gelb= gering bis mäßig  (Gefahrenstufe 1 und 2)

       schwarz-gelbes Schachbrettmuster = erheblich bis groß (Gefahrenstufe 3 und 4)

       schwarz = sehr groß (Gefahrenstufe 5)

Systematisch wird die Wettervorhersage durch das Fremdenverkehrsamt auf Leuchtschildern bekantgegeben, in örtlichen Radiosendern ausgestrahlt, in lokalen Zeitungen veröffentlicht. Diese Information ist oft auch auf Englisch und manchmal sogar in anderen Sprachen verfügbar.
Die Fahnen werden obligatorisch auf jedem strategischen Punkt der Pisten gehisst. Wer sich dann auf eigenes Risiko außerhalb der Pisten begibt, muß mit der Möglichkeit rechnen, selbst Opfer oder auch gerichtlich belangt zu werden, falls durch sein Handeln ein Lawinenabgang erfolgt.

Abseits der Piste (hors-piste) und bei Gletschertouren sind wesentliche Sicherheitsmaßnahmen zu beachten!
"Free Ride" und Skiwandern verlangen eine gute Kenntnis des Terrains, Begleitung eines Skilehrers oder eines Bergführers wird wärmstens empfohlen. Auch ein Kurs in der lokalen Skischule oder einer zugelassenenen Vereinigung kann sich als äußerst nützlich erweisen.
Niemals allein abseits der Piste fahren, nicht alle in der gleichen Spur laufen.
Auf Nebel (Verirrungsgefahr), Erd- und Gletscherspalten, Eisbrüche etc... achten, speziell im Vallons de la Meije (Oisansmassiv), Vallée Blanche und auf dem Gletscher Glacier d'Argentière/ Grands Montets in Chamonix...

Jeder Skiläufer einer Gruppe muss die komplette und angepasste Ausrüstung für die Suche nach Lawinenopfer mit sich führen (und es richtig benutzen können!):
Arva (Sende-/Empfangssgerät), Stocksond, Mini-Schaufel.
Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Handy, es gibt viele Funklöcher in den Bergen!
In Fällen der Nichterreichbarkeit der öffentlichen Dienste (Pistenwart, Polizist, Bergwacht, Feuerwehr...) wird die Suche nach einem verschütteten Opfer oft von den eigenen Gefährten durchgeführt! Die Überlebenschance eines verschütteten Opfers beschränkt sich auf höchstens eine Viertelstunde!

10 FIS Verhaltensregeln auf der Piste

1. Rücksichtnahme auf die anderen Skifahrer und Snowboarder
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.

2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.

3. Wahl der Fahrspur
Der von hinten kommende Skifahrer und Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet.

4. Ueberholen
Ueberholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder von links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.

5. Einfahren, Anfahren und hangaufwärts Fahren

Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in eine Abfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.

6. Anhalten
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.

7. Aufstieg und Abstieg
Ein Skifahrer oder Snowboarder, der aufsteigt oder zu Fuss absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.

8. Beachten der Zeichen
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisation beachten.

9. Hilfeleistung
Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet.

10. Ausweispflicht
Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Gute Vorbereitung und gute Ausrüstung sind erforderlich. Interventionen auf der Skipiste werden berechnet, es ist also besser  für dieses Risiko versichert zu sein. In den Bergen ist die Hilfe eine noch kostenlose Mission des öffentlichen Dienstes.
Die Skiausrüstung, gekauft oder gemietet,  muss zuverlässig, gepflegt und die Bindungen richtig eingestellt sein.

 

Die Fachsportgeschäfte achten die Norm NF X 50-007 für Mietausrüstungen. Für Kinder besteht Schutzhelmpflicht.
Ski Set (deutsch)
Twinner Sports (frz)
Sport 2000 (frz.)

Die Statistiken des nationalen Observatoriums (SNOSM) für Ski- und Bergunfälle belegen, dass es beim Skilaufen abseits der Piste zwei bis drei mal mehr tödliche Unfälle gibt als beim Laufen auf der Piste und dass 95% der Opfer den Unfall selbst verschuldet haben. 7,6 Millionen Skiläufer (Ausländer und Franzosen) tummeln sich jährlich in den französischen Massiven mit einer geringen Unfallrate von 0,6%! Alpinski ist statistisch also ein sicherer Freizeitsport..

Association nationale d'études sur la neige et les avalanches (frz.) - Informationen über Nivologie und die Risiken des Skilaufens abseits der Piste
Association des médecins de montagne (frz.) - Informationen und Unfallvermeidung auf den Skipisten