Die Geschichte der Protestanten in Frankreich

  • La Rochelle - Vieux Port (alter Hafen, 13. Jhd.)

    © ATOUT FRANCE/Daniel Gallon

    La Rochelle - Vieux Port (alter Hafen, 13. Jhd.)

    © ATOUT FRANCE/Daniel Gallon

  • Schloss Fontainebleau - lange Zeit als Jagdschloss der französischen Herrscher genutzt

    © ATOUT FRANCE/R-Cast

    Schloss Fontainebleau - lange Zeit als Jagdschloss der französischen Herrscher genutzt

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Die Geschichte der Protestanten in Frankreich

Das durch tragische Konflikte, Verfolgungen und symbolische Ereignisse gezeichnete Schicksal der Reformierten Kirche prägt zutiefst die französische Geschichte und in diskreterer Weise auch das kulturellen Erbe.

Schlichtheit ist Teil der wichtigsten "Tugenden" des Protestantismus und findet sich daher in der dezenten Architektur der Tempel wieder.

Außer diesen Kultstätten, gibt es auch Überreste/Ruinen von lang belagerten Burgen; Grotten, die als Zufluchtsort dienten; oder Museen, die vom Exil oder dem Leben im Untergrund erzählen. All diese Gedächtnisstätten, liegen auf mehreren Regionen verteilt: von der Picardie zur Provence, vom Poitou-Charentes in die Hautes-Alpes, von der Drôme bis in die Cevennen…

Historische Anhaltspunkte

Pierre Vaudès, ein reicher Händler aus Lyon, verzichtet auf sein Vermögen und wird Prediger. 1184 wird er exkommuniziert aber seine Anhänger (trotz ständiger Verfolgung) werden bis ins 16. Jhdt. im Piemont in Italien, in den Hautes-Alpes und im Luberon, trotz der wiederholten Massaker Gemeinschaften gründen.

 

Die Raimond, Grafen von Toulouse, und die Gutsherren von Mirepoix, sowie die gesamte Bevölkerung (von Albi bis Carcassonne und Foix) unterwerfen sich einer neuen christlichen Praxis, die auf der Kasteiung beruht. Diese "Perfekten" oder "Katharen" werden zwischen 1209 und 1244 von den Kreuzfahrern und der Inquisition erbarmungslos als "Ketzer" verfolgt.

Die mittelalterliche Inquisition äußert sich durch ein Gericht von Geistlichen, eine Justiz der Ausnahme die vom 12. bis zum 14. Jhdt. von der katholischen Autorität (unter der päpstlichen Schirmherrschaft) in Frankreich und Europa durchgeführt wurde.

Der in der Picardie geborene Johannes (Jean) Calvin, war ausgebildeter Jurist und Humanist und schrieb in der Folge von Martin Luther (in Deutschland), von 1533 bis 1550 die Predigten seiner theologischen Doktrin, und brachte somit die erste christliche Bewegung, der Hugenotten oder der Protestanten, auf.

Während des gesamten 16. Jhdt. werden die Hugenotten verfolgt werden oder in Konflikt zu den Katholiken stehen, inmitten von Machtkämpfen, und politischen Ereignissen in denen das religiöse Bewusstsein eine wichtige Rolle spielt. Im 17. und 18. Jhdt werden sie oft im Exil sein, in "Zufluchtsländern" wie die Schweiz oder Kanada. Sie werden auch in ihrem eigenen Land mit ihrem Glauben untertauchen: damals sprach man von der "Wüste".

Das Massaker der Bartholomäusnacht, zwischen dem 22. und dem 24. August 1572 in Paris, kristallisiert die politisch-religiösen Rivalitäten und den Kampf gegen die Protestanten heraus. Dieses tragische Ereignisse der Religionskriege in Frankreich verläuft während dem Aufstieg von Heinrich von Navarra, zukünftigen Heinrich dem IV zur königlichen Macht. Dieser Anhänger des Kompromisses wird dieses Gemetzel, gegen die zu zahlreich und (zu) mächtig gewordenen Hugenotten nicht vermeiden können. Heinrich der IV wird 1598 das Edikt von Nantes unterschreiben und somit eine Zeit lang die Konflikte beruhigen.

1628 gewinnt Kardinal Richelieu aber die (zweite) Belagerung von La Rochelle, in der Unklarheit der politischen und religiösen Fragen. Dieses Ereignis bleibt ein Zeugnis des heroischen Widerstands den die Hugenotten in der Hafenstadt geleistet haben.

Die Machtkämpfe werden unter der Herrschaft von Ludwig XIV soweit fortgesetzt, dass er 1685 das Edikt von Nantes widerruft. In dieser Zeit beginnt also die Verheimlichung des protestantischen Kultus: man versammelt sich in geheimen Orten, weit ab von den Städten: die Zeit der "Wüste" wird fast bis zur Revolution 1789 dauern.

Ab 1685, finden Dragonaden (Strafexpeditionen gegen die "Ketzer") in den Cevennen statt (zwischen Lozère und Gard, zwischen Auvergne und Languedoc). Die Prédicants (Protestantische Führer) rebelliere und lassen Bauerntruppen aufmarschieren (die Kamisarden) in einer regelrechten Guerilla gegen die Dragons (Soldaten des Königs Ludwig XIV). Bis Ende 1705 kam es auf beiden Seiten zu Ausschreitungen.

Praktische Hinweise

Musée virtuel du Protestantisme français
Diese Webseite dient als kulturelles Informationsportal und sammelt eine reichhaltige Dokumentation und veröffentlicht zahlreiche historische Chroniken. Als sehr vollständiges Ressourcenzentrum, weißt sie auf spirituelle und touristische Besichtigungsideen hin.

Gedenkstätten, Reformierte Kirche von Frankreich (Eglise Reformée de France) (frz.)
Die Reformierte Kirche, Mitglied des französischen Protestantenverbandes, veröffentlicht auf ihrer Internetseite historische Anhaltspunkte.

Protestantischer Verein Frankreichs (Fédération protestante de France)
1905 gegründet, vereinigt der protestantische Verein die verschiedenen (Glaubens)Richtungen in einer ökumenischen Atmosphäre.

Verzeichnis der Protestantischen Tempel (frz.)
Diese "dokumentarische" Webseite, aus Privatinitiative enstanden, verzeichnet alle Temepl Frankreichs und ihre Geschichte. Sie erklärt u.a. dass in einigen Regionen (Saintonge-Charentes, Ariège...), Scheunen als "Gebetshäuser" dienten, um die, durch Ludwig den XIV., verbotenen Tempel zu ersetzen. Die Hugenotten lebten bis 1802 ihren Glauben vertseckt.

Gedenkstätten in der Region Champagne (frz.)
Das Gleiche gilt für diese private Webseite, die mit vielen Dokumenten versehen über die reformierten Protestanten und sehr lehrreich ist. Hier werden die dramatischsten Ereignisse wiedergegeben, u.a. die von der (katholischen) Liga im XVI. Jhdt. am Land, durchgeführten Verfolgungen.

Die Atmospähre der Stätten...

Johannes Calvin Museum (Musée Jean Calvin), in Noyon (Picardie) (frz.)
Dieses zauberhafte Dorf, mit den Gütezeichen Dorf der Kunst und der Kultur ausgezeichnet, liegt im Herzen der Picardie und besitzt ein schönes religiöses Erbe, u.a. eine gothsiche Kathedrale. Aber Noyon ist vor allem die Geburtsstadt von Johannes Calvin, französischer Gründer der Reform im XVI Jhdt..

Das Musée du Désert: Geschichte der Huguenotten und der Kamisarden in den Cevennen (deutsch)
Das Geburtshaus von Pierre Laporte, genannt "Rolland", einer der Chefs der Kamisarden, ist zum "Musée du Désert" umgewandelt worden. Es erzählt diesen Teil der regionalen Geschichte aber auch spirituele Aspekte des Protestantismus, unter der Schirmherrschaf der französischen Gesellschaft der Geschichte des Protestantismus. Dieses Museum liegt in dem kleinen Dorf "Mas Soubeyran", in der Gemeinde Mialet, bei Anduze (Gard). Es ist das ganze Jahr über geöffnet, zählt ca. 15 000 Besucher pro Jahr. Es bewahrt 25 000 Archivdokumente und wird 2011 sein 100. Jubiläum feiern.

Notiz : Die Kamisarden organisierten die Rebellion der Hugenotten, u.a. um den berühmten Berg Aigoual (mont Aigoual) und auf dem Hang der Cevennen, zwischen 1685 und 1705.

Museum des Protestantismus (Musée du Protestantisme) in Haut-Languedoc, in Ferrières (Tarn) (deutsch)
Dieses Museum liegt in der Nähe von Castres, im Herzen des "Mont Lacaune", Mitten im okzitanischen Land, auf den Causses, zwischen Languedoc und Midi-Pyrénées. Die schöne mittelalterliche Festung vergrößert den Anreiz diese historische Stätte z entdecken.

Museum des Protestantismus Vivarais (Musée du Vivarais Protestant), in der Ardèche (deutsch)
Marie Durand, Schwester des Pastors Pierre Durand, war im XVIII Jhdt., eine Hugenotten "Martyrerin". 38 Jahre lang im "Turm des Schandhaftigkeit" (tour de Constance) – in der mittelalterlichen Stadt Aigues-Mortes (in der Camargue) eingeschlossen, endlich frei, starb sie bei ihrer Rückkehr in ihr Dorf "Bouschet de Pranles", im Herzen der Ardèche. Ihr Geburtshaus ist zum Museum des Protestantismus Vivarais geworden.

Poët-Laval (Drôme) (englisch): ein ehemaliger protestantischer Zufluchtsort
Dieses hübsche Dorf, dass aus den Lavendelfeldern des Pays de Dieuleft (vallée du Jabron) zeigt eine Burg, die früher im Besitz des Ordens der "Krankenhausmönche" (Moines Hospitaliers) (Bergfired und Kapelle sind im Sommer zu besichtigen, im restlichen Teil des Gebäudes befindet sich ein Hotel mit Charme). Aber diese Hügel der Drôme, verbergen auch einen Teil der Hugenottengeschichte. Sie wird im kleinen Museum des Protestantismus (Musée du Protestantisme Dauphinois), das in einem Haus des alten Teiles des Dorfes liegt: einem ehemaligen Tempel des XVII Jhdt. (Bibeln, diverse Dokumente, Kultusobjekte, etc.).

La Rochelle: Wahrzeichen des Widerstands der Hugenotten
Die großen Türme, die den alten Hafen bewachen erinnern an die ehemalige strategische Wichtigkeit und sein episches Schicksal. Diese nicht zu bendigenden Stadt der hugenottischen Kultur, symbolisiert durch Jean Guitton, einem reicher Verfrachter und Bürgermeister, war stolz darauf der katholischen königlichen Macht die Stirn zu zeigen. La Rochelle wurde, aus reinem Opportunismus von den Engländern unterstützt (wo die anglikanische Kirche gerade entstanden war), da alle Mittel gut waren um den französischen politischen Kontext der damaligen Zeit zu quälen / bedrängen: für das französische Königsreich unzumutbar! Der Hafen der Charentes musste sich also zwischen dem XVI. und XVII. Jhdt., gegen die Sturmangriffe verteidigen. Eine erste Belagerung (durch den Herzog von Anjou) wurde 1573 heldenhaft zum Scheitern gebracht. Danach war es an der Reihe von Kardinal Richelieu, im Auftrag von Ludwig XIII, die Hafenstadt zwischen 1627-1628... diesmal siegreich, zu belagern.
Der protestantische Tempel beherbergt ein Museum über die protestantische Geschichte, dass nur über den Sommer Nachmittags (von Montag bis Sonntag) geöffnet ist.

Châtillon-Coligny (alias Châtillon-sur-Loing) (frz.), Hochburg der Hugenotten im XVI. Jhdt.
Dieses kokette mittelalterliche Dorf ganz im Süden des Gâtinais (Region der Ile-de-France) behält die Erinnerung an seinen Gutsherren, den Admiral Gaspard de Coligny, Chef der Hugenotten, dessen Ermordung das Massaker der Bartholomäusnacht verursachte.

Château de Fontainebleau (frz.), Wonhsitz von Heinrich IV. und Treffpunkt der Hugenotten
U.a. sehr geschätzt zu Zeiten Napoleons, Dieses emblematische Schloss hat in mehreren Epochen eine Hauptrolle gespielt, mitunter während der Herrschaft von Heinrich IV., einem zwischen zwei Religionen, Katholizismus und Protestantismus zerrissenen König.

Und ...

Le Queyras, Land der Berge
Die Widerrufung des Edikt von Nantes durch Ludwig XIV., im Jahre 1685 bewirkte eine Immigrationswelle der hochalpinen Bergbauern in die Vereinigten Staaten, Lateinamerika oder Deutschland (Massiv des Queyras). Diese unbekannte "kleine Diaspora" wird in den acht Dörfern dieses wunderschönen Landes "von oben" selten erzählt, aber die Landschaft dieses Gebiets, sein Naturpark und sein Kulturerbe (Architekur, Holzhandswerk…) sind einen Umweg wert.

Domaine du Pradel, Heimat von Olivier de Serres, in Ardèche
Das Schlossgut von Pradel, in Villeneuve-de-Berg, erwähnt das Werk eines Landeskinds: den berühmten Olivier de Serres. Dieser Gelehrte des XVI. Jhdt., der als Vater der Agronomie angesehen wird, war der Sohn einer reichen … und protestantischen Familie.

Auf den Spuren der Vaudois...

Die Anhänger von Pierre Vaudès (oder Valdos, oder Valdo, je nach dem historischen Chroniker der von ihm berichtet) wurden am Ende des XII. Jhdt. von Lyon vertrieben und siedelten sich in den hochalpinen Tälern und dem Luberon an. Die Doktrin dieses Kirche vaudoise, die schon die Reformation andeutete,wurde vom Konzil von Verona exkommuniziert. Diese Bewegung nannte sich zuerst « Brudeschaft der Armen von Lyon» (Fraternité des Pauvres de Lyon) und schließte sich im XVI. Jhdt. der genferischen Reform an, die von Johannes Calvin oder Guillaume Farel geführt wurde.

In den Hautes-Alpes
Einer der Zufluchtsorte in den Bergen befindet sich zwischen dem Tal "Freissinières" und dem Tal "Vallouise" (im Briançonnais). Im Herzen einer einzigartigen Berglandschaft (Nationalpark des Ecrins), besitzt das Tal "Freissinières" hohe Felswände, spektakuläre Wasserfälle und an den Berg geschmiegte, unauffällige Dörfer ("les Viollins", "Dormillouse") die von den Bewohnern der Gegend erbaut wurden. Vaudois. La vallée voisine de Vallouise comptait aussi des communautés qui furent persécutées et massacrées par l'Inquisition. Am Fuße des Pelvoux, in einem Felsenchaos und einer verherrlichten Bergnatur dans un chaos de rochers et une nature montagnarde magnifiée, la chronique historique situe à plus de 1700 m d'altitude la "grotte des Vaudois" site aussi la Balme (ou la Baume) Chapelue : dort wo 1487 ganze Familien ermordet wurden, aber heutzutage ist vor Ort nichts mehr zu sehen.

Im Luberon
Mérindol, hübsches Dorf auf dem Hang des Luberon Massiv, wird als Besipiel der Märtyrerstätte der Religionskriege im Luberon genannt. Diese Region wurde aber schon ab dem XIV. Jhdt. Blutbefleckt, unter anderem durch den furchtbaren Raimund von Turenne, Gutsherr des Limousin aber auch von Baux de Provence. 1545 war es an der Reihe von dem grausamen Hans de Maynier, Gutsherr von Oppède (ein anderes Dorf des Luberon, auf dem Nordhang). Er plünderte die refuges Vaudois au nom d'un arrêt du Parlement de Provence qu'il présidait. Übergänge der GR 6 Strecke (durch die Provence) und der GR 97 Strecke (durch das Luberon) beschreiten hübsche Anderwege, die einem "Weg der Erinnerung vaudois" ähneln.