Sam Stourdzé und die Sprache der Ausstellung

By Julie Rovero-Carrez | Published on 01 Dezember 2016
  • Portrait Sam Stourdze

    Portrait Sam Stourdze

    © Christian Lutz - Agence Vu

  • Les Rencontres Photographiques d'Arles

    Les Rencontres Photographiques d'Arles

    © Anne Fourès - Rencontres d'Arles

  • Les Rencontres Photographiques d'Arles

    Les Rencontres Photographiques d'Arles

    © Lucie Desgigot - Rencontres d'Arles

Sam Stourdzé und die Sprache der Ausstellung Place de la République 13200 Arles fr

"Die Fotografie hat viel zu sagen über die Welt um uns herum." Seit 20 Jahren konzipiert Sam Stourdzé Ausstellungen, entwirft Szenografien und Szenarien für die Fotografie und natürlich für die Öffentlichkeit. Seit zwei Jahren ist er der Leiter der „Rencontres d’Arles“– ein bedeutendes Festival, das in Kürze sein 50-jähriges Bestehen feiert!

 

Meine Geschichte

"Mit 20 Jahren fiel mir ein Buch des Schweizer Fotografen Robert Frank „Les Américains“ von 1958 in die Hände. Fotografie erschien mir von da an wie eine Selbstverständlichkeit. Sehr schnell hatte ich den Wunsch, Kurator zu werden und selbst in Aktion zu treten. Also stürzte ich mich in das Abenteuer und bot meine Projekte Institutionen an. So war ich 12 Jahre lang als unabhängiger
Kurator tätig und habe insbesondere an einer Ausstellung mit dem Titel „Das Glasklischee von Corot bis
Man Ray“ gearbeitet. Dabei handelt es sich um eine interessante Technik zwischen Fotografie und Gravur, die von den Surrealisten wiederverwendet wurde. Ich war Schüler an der Académie de France in Rom – wahrscheinlich meine schönsten Jahre! Dort habe ich die Beziehung zwischen der Fotografie und dem Kino untersucht, am Beispiel von Chaplin oder Fellini (La grande Parade im Jeu de Paume, 2011). Eine Ausstellung zu konzipieren bedeutet, eine visuelle Sprache, eine räumliche Sprache zu entwickeln. Als man mir 2010 die Leitung des Elysée-Fotomuseums in Lausanne anbot, war dies für mich die Gelegenheit, eine Linie, eine umfassende Vision umzusetzen und auch anderen die Möglichkeit zu geben, sich auszudrücken. Es geht darum, ein Ökosystem zu entwickeln aber gleichzeitig auch in der Lage zu sein, das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken. Nur wenige Orte hätten mich dazu veranlassen können,
Lausanne zu verlassen ... und dann kam das Angebot von
Arles!

 

Les Rencontres d’Arles: Fotografie auf Stadtebene

"Die Rencontres d’Arles kenne ich sehr gut. Seit 20 Jahren bin ich Besucher und habe dort auch als Mitwirkender Projekte auf die Beine gestellt.“ Das 1970 gegründete und jährlich stattfindende Fotofestival Les rencontres d’Arles ging aus dem Zusammenschluss des Fotografen Lucien Clergue, dem Schriftsteller Michel Tournier und dem Historiker Jean-Maurice Rouquette hervor. Die Ausstellungen internationaler etablierter und aufstrebender Künstler treffen in der ganzen Stadt auf ihr Publikum, das bei dieser Gelegenheit auch ungewöhnliche Orte entdeckt. Nachdem sich meine Arbeit bislang auf Gebäude beschränkte, ermöglicht mir das Festival, eine ganze Stadt zu nutzen: 20 Ausstellungsorte auf 25.000 m², das ist schon eine große Nummer! Seit knapp 50 Jahren folgten berühmte Direktoren und Kuratoren aufeinander, und große Namen in der Welt der Fotografie präsentierten hier ihre Werke (Sebastião Salgado, Raymond Depardon, Pierre et Gilles, Robert Doisneau, Cindy Sherman, Peter Lindbergh, JR, Richard Avedon, Nan Goldin, Roni Horn, Martin Parr, Robert Mapplethorpe, Hiroshi Sugimoto, Stéphane Couturier, Charles Freger, Daido Moriyama u.v.m). Als ich 2014 hier ankam, habe ich zunächst einen großen Respekt davor verspürt, was hier bereits geleistet wurde: Energie, Dynamik und ein Anflug von Impertinenz. Es geht nicht darum, etwas neu zu erfinden, sondern auf ein funktionierendes Abenteuer aufzubauen und behutsam zu versuchen, noch ein Stück weiter zu gehen!

 

Ausgabe 2016: Überraschung lautet die Devise!

Die 47. Ausgabe der Rencontres d‘Arles verspricht noch mehr Freude und Unerwartetes. Sam Stourdzé ist immer auf der Suche nach Synergien und lässt verschiedene Kunstrichtungen miteinander in Dialog treten: das Kino – insbesondere mit dem Thema Western aus der Camargue – aber auch die Schriftstellerei mit Lese-Performances innerhalb der Ausstellungen. Der künstlerische Leiter setzt dieses Jahr den Schwerpunkt auf den Fotografen als Geschichtenerzähler. Fotografen sind Forscher, die uns in ihre Erzählung mitnehmen und ihre Geschichte auf ihre eigene Weise erzählen.“ Um die junge Fotografengeneration zu unterstützen, wurde dieses Jahr erstmals ein Raum der Künstlerin Stéphanie Solinas zur Verfügung gestellt: Sie hat sich mit dem Thema „Orte“ befasst und wirft einen Blick auf die ehemaligen Gebäude der Firma Lustucru (französischer Nudel- und Reishersteller, dessen Fabrik in der Camargue nach Überschwemmung schließen musste) und die dazugehörige Metallkathedrale von 1906, mit der Handschrift Gustave Eiffels.

 

Seine DNA: Verbreiten und Vermitteln

Die Rencontres d’Arles in drei Worten

"Team - Publikum - Künstler - in beliebiger Reihenfolge: Eines funktioniert nicht ohne das Andere! Meine Aufgabe besteht sowohl darin, einer Kunstszene gerecht zu werden, als auch darin, die Rolle eines Mediators zwischen den Künstlern und dem Publikum einzunehmen."
Um diese Begegnungen zu erleichtern, haben der künstlerische Leiter und sein Team ein Projekt entwickelt, das auf mehreren Ebenen stattfindet, mit einer zentralen Ausstellung für die breite Öffentlichkeit und Nebenausstellungen zur Vertiefung der Themen.
Gleichzeitig sorgt eine großangelegte Netzwerkarbeit insbesondere mit den großen Sommerevents in der Umgebung für eine hohe Aufmerksamkeit, seien es das Internationale Lyrikfestival in Aix-en-Provence oder das Festival d’Avignon."Wir möchten die bestehenden Beziehungen festigen und eine echte kollektive Dynamik in der Region erzeugen!"

Meine Region

Ihre Region in drei Worten? "Sonne, Farben, Begegnungen"

 

Die Atmosphäre in der Stadt während dieser Zeit? "Ausgelassenheit, Feiern und Fotografie!"
Ein Geruch? "Blühender Jasmin im Frühling"
Ein Geräusch? "Das der zwei Möwen auf dem Turm des 15. Jahrhunderts, das mich jeden Morgen weckt. Besser als ein Hahn ...
Ein Geschmack? "Tapenade mit einem schönen Glas Rotwein"
Eine Aussicht?  "Von der Terrasse der Fondation Van Gogh über die Dächer von Arles. Die Dächer von Arles sind ein Wunderwerk. Sie sind so schön, dass die Chinesen sie kopiert und in ihren Städten nachgebildet haben!"

Meine Adressen

Ein Restaurant? "Chez Rabanel."
7, rue des Carmes, 13200 Arles
+33 4 90 91 07 69

Ein Bistro? "Le galoubet"
18 Rue du Dr Fanton, 13200 Arles
+33 4 90 93 18 11

Um ein Gläschen zu trinken? "Der schönste Ort während des Sommers: Le Ground Control, direkt neben dem Bahnhof. Ein kurzlebiger Ort im ehemaligen Industriegebiet, vom 4. Juli bis 25. August geöffnet."

Ein kultureller Ort? " Die 40 Ausstellungen bei den Rencontres d'Arles! Aber besichtigen Sie auch das Museum der Antike von Arles, ein magischer Ort."

Shopping-Hinweis? "Chez Arlette. Hat die schönste Auswahl an der ganzen Riviera..."
3, rue de la Liberté, 13200 Arles
+33 6 74 44 39 77

Ein Ort der Entspannung? " Die ganze Stadt lädt zum Spazierengehen ein. Und derjenige, der das Kloster Saint-Trophime entdeckt, wird eine unvergessliche Erinnerung haben."

 

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